Folge 4 - Die Sache mit dem schlechten Gewissen
Shownotes
Schlechtes Gewissen trotz Krankheit?
In dieser Folge spreche ich über ein Gefühl, das viele Menschen mit chronischen Erkrankungen kennen: das schlechte Gewissen. Warum fühlen wir uns schuldig, wenn wir absagen, Pausen brauchen oder nicht so leistungsfähig sind wie andere? Ich teile meine persönlichen Erfahrungen mit Migräne und Clusterkopfschmerzen und spreche darüber, wie wir lernen können, freundlicher mit uns selbst umzugehen.
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00:00:01: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge meines Podcasts Monster in meinem Kopf.
00:00:06: Lange war es ruhig, aber jetzt ist es Zeit die Reise vorzusetzen.
00:00:11: Schön dass du heute wieder dabei bist!
00:00:13: In den letzten Folgen habe ich euch die drei Kopfschmerzerkrankungen vorgestellt, die mein Leben begleiten – Migräne, Cluster-Kopfschmerzen und der Spannungskoppschmerz.
00:00:23: Heute möchte ich über etwas sprechen das viele chronisch kranke Menschen kennen und worüber meiner Meinung nach viel zu selten gesprochen wird Nämlich über das schlechte Gewissen, denn manchmal sind die Schmerzen nicht das einzige was uns belastet.
00:00:37: Manchmal ist es dieses ständige Gefühl nicht gut genug zu sein Nicht genug leisten zu können nicht genug für andere da zu sein nicht genug zu funktionieren und genau darüber möchte ich heute mit euch sprechen.
00:00:50: Wenn man chronisch krank ist verbringt man unglaublich viel Zeit damit sich zu entschuldigen.
00:00:54: tut mir leid Ich muss absagen.
00:00:56: tut mehr leid ich kann heute nicht helfen.
00:00:58: Tut mir leid, ich bin nicht so belastbar wie sonst.
00:01:01: Oder tut mir leide dass ich schon wieder über meine Schmerzen rede.
00:01:05: Kommt euch das bekannt vor?
00:01:06: Mir leider schon Und irgendwann habe ich mich gefragt Warum entschuldige ich mich eigentlich dafür krank zu sein?
00:01:13: Denn wenn wir ehrlich sind würde niemand auf die Idee kommen sich für einen gebrochenen Arm zum Entschuldigen.
00:01:18: Niemand würde sagen es tut mir Leid dass mein arm gebrochene ist Aber bei chronischen Erkrankungen scheint das irgendwie anders zu sein.
00:01:27: Vielleicht weil man sie oft nicht sieht Vielleicht weil sie nicht nach ein paar Wochen wieder verschwinden oder vielleicht, weil wir selbst irgendwann anfangen zu glauben dass wir eine Belastung für andere sind.
00:01:38: Bei mir gehören Migräne und Cluster-Kopfschmerzen seit vielen Jahren zum Alltag Und egal wie lange man mit einer Erkrankung lebt, man gewöhnt sich nie wirklich daran.
00:01:46: Man lernt zwar damit umzugehen!
00:01:48: Man kennt seine Medikamente, man kennt auch seine Trigger, man weiß ungefähr was hilft und was nicht.
00:01:55: Aber diese schlechte Gewissen das bleibt Besonders dann, wenn Pläne mal wieder nicht funktionieren.
00:02:01: Wenn man sich auf etwas gefreut hat und dann mal wieder absagen muss.
00:02:04: Wenn andere Spaß haben und man selbst im dunklen Schlafzimmer liegt.
00:02:08: Wenn das Leben draußen weiter läuft... ...und man selbst das Gefühl hat auf Pause gedrückt worden zu sein!
00:02:14: Ich glaube viele chronisch kranke Menschen kennen dieses Gefühl.
00:02:17: Man freut sich auf was?
00:02:19: Auf ein Geburtstag?
00:02:20: Auf einen Ausflug?
00:02:22: Auf eine Restaurantbesuch?
00:02:24: Auf einem schönen Abend mit
00:02:25: Freunden?!
00:02:26: Und dann wacht man morgens auf und merkt, ach heute wird das doch wieder nichts.
00:02:30: Vielleicht wegen der Migräne vielleicht auch wegen der Cluster-Kopfschmerzen.
00:02:33: Vielleicht einfach weil der Körper keine Kraft mehr hat.
00:02:36: Und plötzlich steht man wieder vor dem Handy und schreibt die nächste Absage.
00:02:40: Obwohl man nichts dafür kann führt man sich richtig schuldig.
00:02:44: Man hat Angst andere zu enttäuschen, man hat Angst dass die Menschen irgendwann genervt sind.
00:02:48: Man hat angst dass niemand mehr fragt.
00:02:51: Dabei liegt die Wahrheit meistens ganz woanders.
00:02:54: Die Menschen, die uns lieben wollen nicht dass wir funktionieren.
00:02:56: Sie wollen das es uns gut geht aber unser Kopf erzählt uns oft etwas anderes.
00:03:03: Ein weiteres Thema ist Leistung.
00:03:05: Wir leben in einer Gesellschaft in der Leistung ein unglaublich hohen Stellenwert hat.
00:03:10: Wer viel schafft wird bewundert Wer durchhält wird gelobt.
00:03:14: Wer immer funktioniert geht als stark.
00:03:16: Aber was passiert wenn man mit mal nicht mehr funktionieren kann?
00:03:20: Wenn der Körper irgendwann sagt heute geht es nicht Dann beginnt oft der Kampf mit sich selbst.
00:03:25: Der Körper braucht Ruhe, aber der Kopf macht Druck.
00:03:28: Das muss ich noch erledigen.
00:03:30: Du könntest doch wenigstens das noch machen.
00:03:32: Andere schaffen viel mehr Und genau dieser innere Dialog kann unglaublich anstrengend sein.
00:03:38: Man liegt vielleicht mit stärksten Schmerzen im Bett und fühlt sich trotzdem schuldig weil man gerade nicht leistet.
00:03:44: Dabei kämpft der Körper in diesem Moment bereits genug.
00:03:48: Was ich besonders schwierig finde Viele chronische Erkrankungen sind unsichtbar.
00:03:52: Niemand sieht Migräne, niemand sieht Cluster-Kopfschmerz.
00:03:56: Niemand zieht Erschöpfung!
00:03:57: Von außen sieht man auch völlig gesund aus und genau deshalb entstehen manchmal Missverständnisse.
00:04:03: Die Menschen sehen vielleicht den einen guten Tag.
00:04:06: Sie sehen vielleicht das Foto auf Instagram oder sie sehen vielleicht ein Spaziergang mit dem Hund aber sie sehen nicht die Stunden oder Tage davor.
00:04:15: Sie sehen nicht der Nacht mit Schmerzen, sie sehen keine Unmengen an Medikamente Sie sehen nicht die ganzen Tränen.
00:04:22: Und sie sehen auch nicht die Erschöpfung danach.
00:04:25: und manchmal vergessen wir das sogar selbst, denn auch an guten Tagen haben viele chronisch kranke Menschen ein schlechtes Gewissen.
00:04:32: Vielleicht kennt ihr diese Gedanken?
00:04:34: Vielleicht war es doch gar nicht so schlimm vielleicht habe ich irgendwie übertrieben vielleicht hätte ich doch mehr machen können.
00:04:41: Dabei ist das aber völliger Unsinn.
00:04:43: Ein guter Tag bedeutet nicht dass die Krankheit verschwunden ist.
00:04:46: er bedeutet nur dass man gerade mal eine kleine Pause bekommen hat und diese Pause darf man genießen.
00:04:53: Und das ohne Schuldgefühle!
00:04:55: Ich möchte an dieser Stelle auch etwas Pöselnliches teilen.
00:04:59: Bei meinen Cluster-Korpschmerzen gibt es nur Nächte, in denen ich mehrfach aus dem Schlaf gerissen werde bzw gar nicht schlafe.
00:05:07: Nächten, in den Anaholungen gar nichts zu denken ist.
00:05:10: Trotzdem abtappe ich mich am nächsten Morgen manchmal dabei wie ich denke du müsstest jetzt eigentlich viel mehr schaffen.
00:05:17: Du kannst doch jetzt nicht schrafen gehen wenn andere Leute arbeiten.
00:05:20: Dabei würde ich niemals von einem anderen Menschen erwarten, nach so einer Nacht volle Leistung zu bringen.
00:05:26: Warum also von mir selbst?
00:05:28: Und genau das ist etwas was ich erst lernen musste!
00:05:32: Mit mir selbst genauso verständnisvoll umzugehen wie mit anderen Menschen.
00:05:36: Dein Handaufherz.
00:05:37: Wenn eure beste Freundin euch erzählen würde dass sie starke Schmerzen hat Was würdet ihr sagen?
00:05:42: Würdet ihr Sagen Reist dich jetzt zusammen und bewegt dein Arsch.
00:05:46: Oder würdet Ihr sagen Ruh dich aus Pass auf dich auf Du musst heute gar nichts mehr leisten.
00:05:53: Ich vermute die meisten von uns würden die zweite Antwort wählen, aber warum fällt es uns so schwer diese Worte auch an uns selbst zu richten?
00:06:01: Warum sind wir oft unser eigener schlimmster Kritiker?
00:06:04: Vielleicht weil wir Angst haben, Angst davor zur Last zu fallen, Angst davon nicht mehr gebraucht zu werden, Angst dafür dass andere uns als schwach sehen?
00:06:13: doch wisst ihr was eine chronische Erkrankung macht?
00:06:16: niemand schwach ganz im Gegenteil.
00:06:19: jeden Tag mit Schmerzen aufstehen jeden Tag weitermachen, jeden Tag neue Hoffnung zu haben.
00:06:25: Das ist Stärke!
00:06:26: Auch wenn sie oft anders aussieht als wir uns sie vorstellen.
00:06:29: Deshalb möchte ich diese Folge mit einer kleinen Erinnerung beenden Falls du gerade diesen Podcast hörst und selbst mit einer chronischen Erkrankung lebst Du bist nicht faul, du bist nicht unzuverlässig Und schon gar nicht bist du eine Belastung.
00:06:45: Du musst dich auch nicht dafür entschuldigen krank zu sein Manchmal.
00:06:49: es ist bereits eine große Leistung den Tag zu überstehen.
00:06:52: Manchmal ist Duschen eine Leistung, manchmal ist Essen eine Leistungen.
00:06:56: Manchmal isst Aufstehen eine Leistung und das ist vollkommen Ordnung!
00:07:00: Sei geduldig mit dir, sei freundlich mit dir Und vor allem vergiss niemals dass dein Wert als Mensch nicht davon abhängt wie viel du heute leisten kannst.
00:07:10: Danke dass du mir heute zugehört hast.
00:07:12: Wenn dir diese Folge gefallen hat und dich darin wiedergefunden hast dann freue ich mich wenn du beim nächsten mal wieder einschaltest.
00:07:19: Bis dahin wünsche ich dir möglichst schmerzfreie Tage viele kleine Lichtblicke und vor allem eines.
00:07:26: Sei etwas netter zu dir!
00:07:29: Und für alle anderen ohne Schmerzen, ich freue mich auch wenn ihr das nächste Mal wieder dabei seid.
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